Erlebnissberichte

Aisha und Christoph am Stück

2. Erlebnissbericht Aisha vom del Toissa

 

 

Erste Nachsuchesaison für Aisha und Christoph
Nachdem Aisha und ich im Frühling 2013 die BSC Schweissprüfung bestanden haben freuten wir uns beide auf den ersten Einsatz während der Bündner Hochjagd. Aisha merkte schon wenige Tage vor der Jagd als wir Gewehr, Schweissriemen etc packten dass die Jagd los geht und dass sie Arbeit bekommt.
Am Abend in der Hütte angekommen waren wir schon sichtlich angespannt auf das was uns erwarten mag und wie die erste Suche verläuft.
Dann an einem Morgen, gegen 10.30 Uhr klingelte mein Telefon und die Schweisshundezentrale bot uns für eine Nachsuche auf eine Hirschkuh in der Nähe einer Prättigauer Alp auf. Ich rufte den Jäger an und fragte ihn wann er geschossen habe, ob er Pirschzeichen gefunden hat, ob ein Asyl in der Nähe ist etc. Geschossen habe er gegen 8.40 Uhr und am Anschuss habe er Panseninhalt und 1-2 Tropfen Schweiss gefunden. Wir machten einen Treffpunkt ab bei der Alp. Ich packte noch schnell meinen Rucksack mit viel Wasser für Aisha da es an diesem Tag sehr warm war, nahm noch das Gewehr und schon liefen wir Richtung Jägerparkplatz zum Auto. Bis wir bei dem vereinbarten Treffpunkt waren brauchten wir ca eine Stunde Fahrzeit. Während der Fahrt verständigte ich noch den zuständigen Wildhüter so dass er informiert war.
Auf der Alp angekommen erwarteten mich schon der Schütze und ein anderer Jäger der zum anstehen dabei war. Aisha war auch schon voller Freude und wusste dass es jetzt eine Nachsuche gibt.
Zum Anschuss mussten wir ca eine Stunde noch zu Fuss gehen. Währendem Fussmarsch fragte ich den Jäger noch einige Sachen zur Munition, wie er geschossen habe, wie weit etc. Wir mussten über ein weites und tiefes "Tobel" steigen und dann sagte der Schütze dass er gleich da unten im Geröll die Hirschkuh beschossen habe. Die Distanz wo der Jäger geschossen hat zum Anschuss waren knapp 100m. Der andere Jäger postierte sich an einem Ort wo die Hirschkuh allenfalls rüber wechseln könnte. Der Schütze kam mit mir mit. Aisha konnte kaum mehr warten bis es los geht, sicher hatte sie die Wundfährte schon in ihrer guten Nase. Ich setzte Aisha an und schon sog sie auf der Fährte an und los gings. Nach ca 100 m ging es vom Geröll über in einen Jungwuchs und immer leicht bergab. Aisha konnte mir immer ein Tropfen Schweiss und ein ganz wenig Panseninhalt verweisen. Aisha suchte sehr erregt und ich musste schauen dass ich ihr noch nach kam. Lange sahen wir kein Pirschzeichen mehr und ich dachte schon dass wir nicht mehr auf der Fährte seien. Aber auf einmal sahen wir an einem Ast ein recht grosses Stück Pansen hängen und wenige Meter danach wieder ein paar Tropfen Schweiss auf einem Stein. Ich wusste Aisha war auf der Fährte und lobte sie. Dann nach ca 1200 m und einer Zeit von ca 50min war Aisha vor der Hirschkuh die noch lebte und sich probierte mit den Vorderläufen gegen Aisha zu schützen. Ich nahm Aisha zurück und wir konnten den erlösenden Schuss anbringen. Dann durfte Aisha zu der Kuh, wir hatten eine Riesenfreude! Als Belohnung gab's für Aisha ein bisschen von der Leber und viel Lob von mir, hatte sie doch eine super Arbeit geleistet!
Anschliessen tranken wir bei der Jagdhütte noch ein Bier und dann ging's wieder alles bergauf Richtung Auto und Richtung Heimweg.
Ein Telefon an den Wildhüter dass wir gefunden haben, auch er hatte Freude konnten wir das Tier von seinen Leiden erlösen. Zurück bei uns in der Hütte gabs dann nochmals ein bisschen Leber unter das Futter für Aisha, wobei sie nur die Leber gefressen hatte und das Trockenfutter stehen gelassen hatte.:-)
In aller Ruhe liess ich mir die ganze Fährte bei einem Glas Wein noch einmal durch den Kopf gehen. Für mich ist es viel schöner und spannender mit Aisha auf eine Nachsuche gehen zu können und ein Tier gemeinsam zu finden als selber etwas erlegen zu können! Es war ein unbeschreibliches Erlebnis mit Aisha!

 
Christoph Hinderer
Mittelweg 5
CH-7208 Malans

Tel. +41 (0)79 815 91 51
E-Mail: chhinderer@gmx.ch

Akela auf der Luchsfährte
Akela auf der Luchsfährte

1. Erlebnissbericht Akela vom A-wurf del Toissa

 

Auf der Luchsspur mit Akela

 

Früher Morgen und noch dunkel. Dank den Wundern der Technik kann ich via SMS an meinem Arbeitsplatz in Bern die neusten Aufenthaltsorte einer GPS-sendermarkierten Luchsin im Berner Oberland herunterladen und sie auf Google Earth ansehen. Ich suche mir den besten Ausgangspunkt um den Weg, den die Luchsin letzte Nacht zurückgelegt hat, nachverfolgen zu können und ihre Spur im Schnee zu finden. Hier kommt Akelas Nase ins Spiel.

Mit dem Auto fahren wir ins Oberland und die Bergstrassen hinauf, soweit der tüchtige Subaru uns bringen kann. Dann wandern wir eine halbe Stunde, um in die Nähe der gestrigen Fährte zu kommen. Leider laufen Luchse selten an für Menschen angenehmen Orten durch. Das heisst, um die Spur zu finden, heisst es erstmal 200 m einen steilen Bergwald querfeldein hinauf zu klettern. Akela wittert die Fährte schon einige Meter unterhalb und fängt an zu ziehen. Sobald wir darauf gestossen sind, fängt die eigentliche Arbeit an. Wir verfolgen die Spur durch’s Unterholz, mit dem Ziel ein gerissenes Beutetier, Lagerplätze des Luchses und Urinmarken zu finden. Das Jagd- und Markierverhalten der Luchse ist nämlich Gegenstand meiner Doktorarbeit und dadurch auch Akelas Aufgabenbereich. Oft genug müssen wir dabei verfrüht aufgeben, weil Lawinengefahr und Felsbänder das Weiterkommen unmöglich machen. Das findet Akela dann immer ganz unverständlich. Sowieso ist es ihm ein Rätsel, wie man nur so langsam sein kann wie ich. So werden wir den Luchs ja wohl nie einholen! Aufgrund seines stundenlangen Arbeitseifers auf der Fährte muss ich ihn stellenweise hinter mir gehen lassen, weil mir unterwegs einfach die Puste ausgeht. Wenn ich mal eine Rast einlegen muss, winselt er mich immer vorwurfsvoll an bis es endlich weitergeht.

Manchmal kommt aber auch er an seine Grenzen, wenn die Spur mitsamt dem Schnee wegschmilzt oder eine Gruppe Rehe auf einmal genau den gleichen Weg nimmt wie der Luchs in der Nacht zuvor. Dann lässt er sich mit seinen eineinhalb Jahren manchmal noch ablenken. Aber immer öfter hilft er mir bereits sicher über schneefreie Hangabschnitte hinweg und hält die Fährte auch wenn andere Tiere diese kreuzen. Am Verweisen der Urinmarkierungen des Luchses arbeiten wir gerade. Akela hat bereits verstanden, dass er vor der Urinmarkierung sitzen soll. Die Arbeit auf der echten Fährte ist aber ziemlich anspruchsvoll: Auf einer Strecke von 2-4 km kann ein Luchs mehr als 20 mal markieren. Und dies tut er auf einer Höhe von ca. 50cm, da er den Urin vergleichbar mit einer Hauskatze gegen Bäumchen und Felsen sprüht. Noch würde Akelavon alleine nicht alle Markierungen anzeigen, da er oft mit tiefer Nase auf der Fährte daran vorbeischiesst und er nach mehrmaligem Verweisen irgendwann die Konzentration verliert.

Unsere frische Spur führt heute an den Waldrand und kreuzt dort einen Wanderweg. Akela schnüffelt an einer kleinen Fichte. Tatsächlich- Luchsurin! Wir verfolgen die Spur weiter hangaufwärts über eine Wiese bis zum nächsten Waldrand. Hier fing der Luchs auf einmal an zu rennen, grosse Sprünge führen auf die Wiese, wo in der Nacht ein Reh gestanden hat. Das Reh flüchtete zuerst hangabwärts, drehte dann aber ab und versuchte hangaufwärts in den Wald zu entkommen. Schlechte Idee! Die schlaue Luchsin schneidet ihm nach wenigen Sprüngen den Weg ab. Das Reh dreht wieder um und rennt nach unten, doch es kommt nicht weit: Nach wenigen Sprüngen hat die Luchsin es zu Boden gedrückt. Wo das Reh zu Boden ging weisen nur der flachgetretene Schnee, ein paar Haare und einige Blutstropfen auf das Ereignis hin. Mithilfe eines Kehlbisses hat die Luchsin das Tier schnell und sauber erlegt. So mitten auf der Wiese, den Blicken von möglichen Feinden ausgeliefert, ist ihr wohl aber gar nicht wohl. Sie packt das Reh und zieht es den ganzen Weg, den sie eben über die Wiese gekommen ist, wieder nach unten. Quert wieder den Wanderweg und legt es dann in der Nähe des Waldrands ab. Hier fühlt sie sich sicher genug um zu fressen und hier findet Akela das angefressene Reh zwischen den Bäumen. Natürlich wird er nach so guter Arbeit ausgiebig gelobt. Ich nehme meine Daten auf und lasse den Riss sonst unverändert. Schliesslich will ich die Luchsin nicht stören, die am nächsten Abend wieder zurückkehrt, um weiter zu fressen. Jetzt müssen wir nur noch den ganzen Weg zum Auto zurücklaufen, was ich fürchterlich anstrengend und der Hund total lässig findet. Schliesslich hat er jetzt frei.

 

Kristina Vogt und Akela